DER TIERARZT FÜR
IHRE VÖGEL / IHRE PAPAGEIEN
Spermauntersuchung und künstliche Befruchtung bei PapageienOberstes Ziel einer jeden Papageienzucht sollte die natürliche Brut und Jungtieraufzucht durch die Elterntiere sein. Dies lässt die Tiere ihre angeborenen, natürlichen Verhaltensweisen durchleben und bietet den Alttieren zudem eine optimale Beschäftigung über einen längeren Zeitraum. In vielen Fällen jedoch kommt es zur Ablage ausschließlich unbefruchteter Gelege. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Sie können z.B. in gesundheitlichen Problemen, Haltungsfehlern, Ernährungsimbalancen und Verhaltensstörungen liegen. Einzeln handaufgezogene Großpapageien scheinen besonders sensibel für eine nur schwer behebbare Fehlprägung zu sein. Bei nicht harmonierenden Paaren findet man ebenfalls oft unbefruchtete Gelege. Wenn beide Partner körperlich gesund und fertil sind, kann die künstliche Befruchtung bei Papageien diese Probleme vermindern. Zur künstlichen Befruchtung benötigt man eine Spermaprobe ausreichender Qualität sowie ein in Eiablage befindliches Weibchen. Sind diese Grundvoraussetzungen gegeben, kann die Befruchtung durchgeführt werden. Das EXOTENGESUNDHEITSTEAM arbeitet derzeit intensiv an der Weiterentwicklung optimierter und schonendster Techniken zur Spermaentnahme und künstlichen Befruchtung sowie an der Konservierung von Spermaproben, um diese auch an unterschiedlichen Haltungsorten, Beständen und Zeitpunkten optimal einsetzen zu können. Speziell für hochbedrohte Papageien wie den Spixara (Cyanopsitta spixii), Kakapo (Strigops habroptilus), verschiedene Amazonen- und Kakaduarten kann diese Technik hilfreich sein, die Zahl der Nachkommen zu erhöhen und damit auch aktiv zum Artenschutz beizutragen. Das EXOTENGESUNDHEITSTEAM arbeitet mit Al Wabra Wildlife Preservation (AWWP), Qatar im Bereich der künstlichen Befruchtung und Veterinärmedizin des stark bedrohten Spixaras zusammen. Aufgrund der umfangreichen Arbeit und Forschung rund um die Spermagewinnung und künstliche Befruchtung bei Papageien wurde Tierarzt Daniel Neumann vom zuständigen brasilianischen Ministerium zum Reproduktionsspezialisten des Spixara-Erhaltungszuchtprogramms ernannt. ![]() Spermium eines Spixaras in einer Färbung für die pathomorphologische Untersuchung.
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SpermagewinnungDie Spermagewinnung kann für 2 unterschiedliche Zielsetzungen durchgeführt werden. Zum einen kann bei geschlechtlicher Aktivität die Fruchtbarkeit des männlichen Tieres beurteilt werden, zum anderen kann das Sperma rein zum Ziele der künstlichen Befruchtung entnommen werden. SpermauntersuchungDie Spermauntersuchung selbst wird zum einen makroskopisch (d.h. mit bloßem Auge) als auch mikroskopisch (mittels Mikroskop) durchgeführt. Die makroskopische Untersuchung beinhaltet eine Beurteilung von Volumen, Beimengungen (z.B. Kot, Harnsäure, Blutzellen), Farbe und Konsistenz. Bei der mikroskopischen Untersuchung werden Dichte, Beweglichkeit, prozentualer Anteil der lebenden Spermien und pathomorphologische Veränderungen (d.h. von der Normalgestalt abweichende Spermien) beurteilt. Anhand dieser Parameter lässt sich eine Einschätzung der Zuchtfähigkeit des Männchens unter Berücksichtigung des vorliegenden Reproduktionsstatus (geschlechtlich aktiv/inaktiv) einschätzen. Je nach gewähltem Zeitpunkt der Spermaentnahme lässt sich annähernd herausfinden, ob der männliche Partner fruchtbar, unfruchtbar oder einfach Asynchron mit seinem weiblichen Partnertier ist. |
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Künstliche BefruchtungDie Besamung selbst kann mit Sperma des eigenen Partners aber auch mit Sperma eines „fremden“ Männchens durchgeführt werden. Dies kommt besonders bei Unfruchtbarkeit oder Asynchronie des eigenen Partners in Frage. Je nach Spezies, Probenbeschaffenheit und Transportdauer können zwischen Spermaspender und zu besamendem Weibchen auch größere räumliche Distanzen liegen. Für die künstliche Befruchtung benötigt man eine vorher gewonnene und auf ausreichende Qualität untersuchte Spermaprobe. Diese kann zu einem vielversprechenden Zeitfenster auf das Weibchen übertragen werden. Um dieses optimale Zeitfenster zu „erwischen“, ist ein Gespräch mit genauer Abstimmung zwischen Tierarzt und Züchter bereits im Vorfeld der anstehenden Brut wichtig. Je nach Gelegegröße und Spermaqualität ist es wichtig, mehrere Besamungen durchzuführen um alle Eier eines Geleges zu befruchten. Anschließend kann die Zucht wie bei der natürlichen Befruchtung mit Brut und Aufzucht durch die Elterntiere erfolgen.
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Einer der schönsten Momente nach künstlicher Befruchtung – ein sich entwickelnder Embryo wird sichtbar.
Die genauere Schätzung der Spermiendichte wird mittels einer speziellen Zählkammer unter mikroskopischer Ansicht durchgeführt.



Tierarzt Heiner Müller bei der künstlichen Befruchtung eines Inkakakadus.